Frida im November 2016

24. November ab 19:00 / Filmbeginn 20:00

Filmclub Frida zeigt ‚Festung‘ von Kirsi Liimatainen (D 2011).

Anlässlich des Internationalen Tags gegen Gewalt gegen Frauen am 25. November zeigen wir den Spielfilm ‚Festung‘ – ein Film über Gewalt in Beziehung und die Strategien der Betroffenen, die Verletzungen und Demütigungen zu bewältigen. Es geht um eine Familie, in der die drei Töchter erleben, wie der Vater ihre Mutter verprügelt, während sie versucht, durch Anpassung der Gewalt auszuweichen und immer wieder verzeiht und erduldet. Die Töchter leiden ebenso unter der Gewalt gegen die Mutter und versuchen, auf unterscheidliche Weise, damit klar zu kommen und die Mutter zu schützen.

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10. November um 19Uhr

Der Arbeitskreis Frauenpolitische Bildung des Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung und die Störenfrida Berlin laden zu einem
interaktiven Vortragsabend mit Tove Soiland:
„Was heißt eigentlich sexuelle Differenz?“ Feministische Politik im Anschluss an den Ansatz der sexuellen Differenz.

Eine Veranstaltung des Bildungswerk Berlin der Heinrich-Böll-Stiftung. Finanziert mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin.
Bildungswerk Berlin

Obwohl sich die Geschlechterverhältnisse in den letzten Jahrzehnten enorm verändert haben und Frauen heute Lebensentwürfe jenseits klassisch patriarchaler Bilder und Vorstellungen leben, besteht die Hierarchie zwischen den Geschlechtern nach wie vor fort. Diese zeigt sich beispielsweise in der mehrheitlichen Zuständigkeit von Frauen für Sorgearbeit, die Frauen oftmals mit prekären Arbeitsverhältnissen konfrontiert und sie damit finanziell, zeit- und rechtlich benachteiligt. Der Ansatz der sexuellen Differenz führt diese Hartnäckigkeit in den Geschlechterverhältnissen auf die Struktur der Geschlechterordnung zurück, die sie, entgegen aktueller feministischer Theorien, nicht als eine Ordnung heteronormativer Zweigeschlechtlichkeit ausweist, sondern als eine eingeschlechtliche Ordnung, in der nur ein Subjekt – und zwar das männliche – vorkommt. Aus der Perspektive der sexuellen Differenz begründet sich die Geschlechterhierarchie in der vereinnahmenden Bezogenheit des männlichen Subjekts auf die weibliche Position und dem damit einhergehenden Umstand, dass die weibliche Position selbst (noch) keine Subjektposition ist. In dieser asymmetrischen Bezogenheit leugnet das männliche Subjekt nicht nur die eigene Abhängigkeit von anderen, sondern kultiviert einen symbolischen Ausschluss der Frau/Mutter.
Das Denken der sexuellen Differenz, das maßgeblich auf das Werk der französischen Philosophin und Psychoanalytikerin Luce Irigaray zurückgeht und im Kontext feministischer Auseinandersetzungen mit der Lacanschen Psychoanalyse und dessen Subjekt- und Geschlechterverständnis in den 1970er und 1980er Jahren entstand, nimmt das Fehlen weiblicher Subjektivität zum Ausgangspunkt für ein feministisches Projekt. Mit der Kritik an der patriarchalen Bezogenheit des männlichen Subjekts auf Weiblichkeit verbindet Irigaray ein Forschen, das auf die Etablierung einer weiblichen Subjektposition zielt, wobei insbesondere die Schaffung einer weiblichen Genealogie im Zentrum steht, die das Fehlen vertikaler Beziehungen (zwischen Mutter und Tochter) und die patriarchale Abwertung von Mütterlichkeit überwindet.

Der interaktive Vortragsabend mit Tove Soiland soll einen Einblick in das Denken der sexuellen Differenz ermöglichen und aufzeigen, inwiefern dieser in der feministischen Theorie und Praxis marginalisierte Ansatz für die Analyse gegenwärtiger Geschlechterverhältnisse fruchtbar ist und neue Denkimpulse liefern kann für eine feministische Theorie und Praxis. Das Gespräch mit Tove Soiland soll in die psychoanalytische Geschlechtertheorie einführen sowie eigene Fragen und einen Austausch der Teilnehmer*innen ermöglichen.

Die Referentin Dr. Tove Soiland, studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik in Zürich. Sie ist Lehrbeauftragte an verschiedenen Universitäten und bietet bei der Gewerkschaft VPOD in Zürich seit Jahren Seminare für Frauen zu feministischer Ökonomie und politischer Theorie an. 2008 promovierte sie an der Universität Zürich zu »Luce Irigarays Denken der sexuellen Differenz. Eine dritte Position im Streit zwischen Lacan und den Historisten«. (http://www.turia.at/titel/soiland.php). Sie ist Mitglied des Beirates der Zeitschrift Widerspruch. Ihre heutigen Arbeitsschwerpunkte liegen im Bereich Feministische Theorie, französische Psychoanalyse und Marxismus. 2003 initiierte sie den »Gender-Streit«, eine Kontroverse um die theoretischen Grundlagen des Gender-Begriffs. Im WS 2016/17 hat sie die Klara-Marie-Faßbinder Gastprofessur an der Hochschule Ludwigshafen inne.
Tove Soiland