Archiv für Februar 2017

Frida im März 2017


ACHTUNG NEUER VERANSTALTUNGSORT

Im Café Fincan. Altenbrakerstr. 26 (Neukölln). (www.fincan.eu)

am 2. März ab 19:00, Beginn 19:30

Erzählcafé mit der Journalistin und Aktivistin Hannah Wettig:
Wie war das noch mit dem Feminismus.. – gerade auch wenn‘s schwierig wird!?

Ob „fremde“ Kultur, Tradition oder Religion – wo immer Rassist_innen dazu neigen, die Gleichheit der Geschlechter auf einmal für sich und ihre Zwecke zu entdecken, um sie gegen „die kulturfremden“ Anderen zu instrumentalisieren, ist Vorsicht geboten. Zugleich verfallen Teile der queer-/feministischen Szene dabei jedoch in den Gegenreflex, ihren Antirassismus darauf zu verkürzen, sich mit realexistierenden Problemen gar nicht erst mehr zu befassen oder sie zu benennen. Aus nachvollziehbarer Angst vor dieser Instrumentalisierung. Mitunter aber auch, so lässt sich vermuten, aus dem bequemen Wunsch heraus, sich nicht die Finger verbrennen zu wollen an den so „schwierigen“ Themen, wie es dann oftmals heißt; zuletzt etwa nach der sogenannten „Silvesternacht 2015“. Womöglich, und dies soll diskutiert werden, auch aus einem selbstverschuldeten Scheitern an den eigenen konzeptionellen Zugängen und Dogmen, wo bestimmte Realitäten und Konstellationen von Täter/Opfer nicht in das gewohnte Einordnungsschema passen. Darüber, inwiefern und wie der intersektionelle Queer-„Feminismus“ durch Ausblenden, Beschwichtigen oder Relativieren Frauen(rechte), etwa nach den sexualisierten Gewalterfahrungen der Silvesternacht 2014/15 in Köln und anderen deutschen Städten, auch schon mal übergeht, wollen wir mit unserer Podiumsgästin Hannah Wettig sprechen: Was war da eigentlich los? Wie ging es seither aus feministischer Perspektive weiter? Welche emanzipatorischen Leerstellen gilt es heute, mit etwas mehr Abstand, auch in Teilen des Feminismus zu thematisieren? Die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin hatte „nach Köln“ mit als eine der ersten überhaupt versucht, sich kritisch aus einer linken feministischen und antirassistischen Perspektive dem anzunähern, was damals eigentlich geschehen war. Und den Versuch unternommen, sich trotz der rechten Umtriebe hierzulande, aus einer pro-emanzipatorischen Haltung auch mit den Hintergrundproblemen hinter Phänomen wie der sogenannten taharrush gamea, den prekären Sozialisationen der Täter und den realexistierenden Einflüssen des politischen Islam/Islamismus – mit seinen reaktionären Vorstellungen zu Geschlechterverhältnis, Sexualität und sexueller Selbstbestimmung der Frau – hinter den Übergriffen zu befassen und auseinanderzusetzen.

Hannah Wettig berichtet seit 20 Jahren als Journalistin über die arabische Welt und hat fünf Jahre in Libanon, Syrien und Ägypten gelebt. Sie schreibt regelmäßig über arabischen Feminismus und hat dort auch selbst in linken und feministischen Gruppen gearbeitet. Für die deutsch-irakische Hilfsorganisation WADI leitet sie ein Projekt gegen weibliche Genitalverstümmelung im Nahen Osten und eines zur Integration von Flüchtlingen in Deutschland. Daneben engagiert sie sich für die Initiative Adopt a Revolution, die DemokratieaktivistInnen in Syrien unterstützt.