Frida in 2018

Herstory 68: Die Frauen der Revolte
Politischer Salon der Störenfrida Berlin – Eine Veranstaltungsreihe

Störenfrida Berlin – Ort für Frauenpolitik und Frauengeschichte – will das 68er Jubiläum nicht verstreichen lassen, ohne sich mit den zentralen Protagonistinnen, Kämpferinnen und Denkerinnen auseinander zu setzen.

Uns interessiert wie Frauen 68 gelebt und wie sie diesen Aufbruch erlebt und vor allem mitgestaltet haben.
Was war ausschlaggebend für ihre Politisierung, welche Position hatten sie zu den theoretischen Debatten, zur Militanz, zur sexuellen Revolution? Zu welchem Zeitpunkt konnte Mutterschaft politisiert werden, wie und mit wem haben sich Frauen organisiert? Wie haben sie Beziehung und Zusammenarbeit mit anderen Frauen erlebt und gestaltet? Welche Ereignisse und Veranstaltungen waren für die Frauen bedeutsam?

Alle Veranstaltungen unserer Reihe finden als feministischer Salon an einem Nachmittag am Wochenende statt, sodass wir Zeit und Raum haben zum Diskutieren, aber auch zum Kennenlernen und für einen informelleren Teil als Abschluss.

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3. Veranstaltung am 15.12.2018 um 15:00 im regenbogenKINO, Lausitzer Straße 22, Kreuzberg
FILMSCREENING UND GESPRÄCH – Zwei Dokumentarfilme über feministische Praxis nach 68

Frauen bildet Banden


Feministische Aktionen gegen Bevölkerungspolitik – Ein Rückblick in die 80er Jahre (2000-2003)

46 Minuten
von der Filmgruppe Frauengeschichte(n) im Film
Im Anschluss Gespräch mit den Filmemacherinnen

In den 80er Jahren beschäftigten sich Frauengruppen in vielen Ländern mit dem Thema Bevölkerungspolitik. In der Dokumentation erzählen Aktivistinnen aus Deutschland von Debatten und Aktionen zum Thema Geburtenkontrolle. Sie berichten von der Entstehung humangenetischer Beratungsstellen, über Gen- und Reproduktionstechnologie und letztlich über Selbstbestimmung von Frauen über ihre Körper und feministische Kritik an Bevölkerungspolitik und Gentechnologie.

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Preview
Frauen bildet Banden – Eine Spurensuche zur Geschichte der Roten Zora (2018)

vom Frauenlesben Filmkollektiv Las Otras
Im Anschluss Gespräch mit der Filmemacherinnen

Die „Rote Zora“ war in den 70er und 80er Jahren eine militante Frauengruppe in der BRD. Ihre Aktivitäten richteten sich gegen die alltägliche Gewalt gegen Frauen, gegen Gen- und Reproduktionstechnologie als Teil der Bevölkerungspolitik und internationalen Ausbeutungsbedingungen als Ausdruck patriarchaler Herrschaft.
In der linken Geschichtsschreibung in Deutschland weitestgehend ausgeblendet, greifen heute junge Frauen auf ihre Texte und Geschichte zurück.
Es ist auch den wissenschaftlichen Forschungen der in Großbritannien arbeitenden Katharina Karcher zu verdanken, dass wir heute wieder mehr über diese Gruppe erfahren können. Der Film trägt dazu bei, eine Lücke in der bundesdeutscher Geschichtsschreibung zu linkem Widerstand zu füllen. Erzählungen von Zeitzeuginnen, Interviews mit Katharina Karcher und ehemaligen Zoras lassen die Geschichte der „Roten Zora“ und der damaligen Frauenbewegung wieder lebendig werden.

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Die 2. Veranstaltung am 21.Oktober 2018 um 15:00 im Frauenzentrum Affidamento, Richardplatz 28, Neukölln.
Erinnerungen an Wegbegleiterinnen

Lesung und Gespräch mit Ulrike Edschmid und Anna Hartmann

Die Autorin Ulrike Edschmid war Teil der Student*innenbewegung in Berlin und enge Wegbegleiterin von Menschen die sich für einen militanten Weg entschieden haben. 1996 erschien ihr Buch „Frau mit Waffe. Zwei Geschichten aus terroristischen Zeiten“ über zwei 68erinnen die sich für einen bewaffneten Widerstand entschieden haben.

„Ulrike Edschmid interessiert sich nicht für die Rekonstruktion historischer Highlights, sie konzentriert sich auf die persönlichen Veränderungen, die Anstrengungen einer politischen Bewußtseinsbildung, das Spannungsverhältnis zwischen Gruppe und Individuum, persönlicher Erfahrung und politischer Theorie,“ schreibt Annett Busch über das Buch. Es eröffnet „eine neue Form des Verstehens sowohl der Studentenbewegung als auch der Anfänge der RAF, ebenso des Lebens in der Illegalität.“

In ihren Büchern über die Menschen die sie kennt und kannte ist Ulrike Edschmid die beobachtende Zeitzeugin und gleichzeitig reflektierende Teilnehmerin der Ereignisse. Wir sprechen mit ihr über ihren persönlichen Blick in die Zeit der Aufbrüche, über die Ereignisse die bedeutsam waren für sie und ihre Freundinnen und ihre politischen Themen als Frau, die sich trotz ihrer bis heute feministischen Perspektiven nicht der ebenfalls 1968 beginnenden Frauenbewegung angeschlossen hatte.

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1. Veranstaltung am 3. Juni 2018 um 15:00 im Frauenzentrum affidamento, Richardplatz 28, Neukölln
Was haben die 68erinnen mit uns zu tun?

Lesung und Gespräch mit Ute Kätzel und Lena Böllinger

Die Journalistin und Autorin Ute Kätzel hat 2002 mit dem Buch „Die 68erinnen.
Porträt einer rebellischen Frauengeneration“ ein Standardwerk zum Thema „Frauen und 68″ geschrieben. In mehrjähriger Arbeit hat sie 40 Interviews mit Protagonistinnen der Bewegung geführt und 14 Porträts für ihr Buch ausgewählt. Auch hat sie weitere Artikel zu 68 veröffentlicht, unter anderem zu „Frauen- und Geschlechterrolle“ in der DDR.

Aus unserer Sicht werfen die Interviews in sehr persönlichen Erinnerungen nach wie vor ungeklärte Fragen auf, die die Idealisierung der Liberalisierung – insbesondere für Frauen – infrage stellen. Wir wollen an diesem Nachmittag die Themen und die nach wie vor ungeklärten Fragen der 68erinnen neu diskutieren, sowohl im Kontext der Zeit als auch im Hinblick auf ihre heutige Relevanz.

Zum Ausklang gibt’s Live-Musik und wir stoßen auf Störenfridas 7. Geburtstag an.