Lese Tipp
Die aep-Informationen – Feministische Zeitschrift für Politik und Gesellschaft hat in ihrer Ausgabe 2/2019 ein Heft zum Thema Braucht der Feminismus das Denken der sexuellen Differenz? herausgebracht.
AEP Sexuelle Differenz

Die Herausgeberinnen Barbara und Bernadette Grubner hatten die Idee, Perspektiven zum Denken der sexuellen Differenz zusammen zu tragen und sichtbar zu machen, um diesen Ansatz „mit Blick auf Gegenwartsfragen zur Diskussion zu stellen“, wie sie im Geleitwort schreiben. Die Geschlechtertheorie habe sich, so die Herausgeberinnen, „seit längerer Zeit auf einige wenige Zugangsweisen verengt und verläuft häufig in vorhersehbaren Bahnen. Gerade heute, in Zeiten des politischen Umbruchs, erscheint es uns lohnend, den Blickwinkel zu verändern und eine Spur neu aufzugreifen, die vielleicht vorzeitig verlassen wurde, um neue Ansatzpunkte für politisch brennende Fragen in den Raum zu stellen.“ (Grubner: Denken der sexuellen Differenz. Ein Geleitwort, in aep 2/2019)

Warum ist der Ansatz der sexuellen Differenz eine wichtige Perspektive in gegenwärtigen feministischen Debatten? lautet die Leitfrage dieser Zusammenstellung.

So divers die Zugänge und Herangehensweise der theoretischen Auseinandersetzungen um sexuelle Differenz verlaufen, vereint er einen Bezug auf psychoanalytisches Denken, das „Grundbegriffe der feministischen Kritik – wie Geschlecht, Sexualität, Differenz, Männlichkeit/Weiblichkeit – deutlich anders als heute bekanntere Ansätze aus den Gender und Queer Studies“ (ebd.) verwenden. Vielmehr gehen diese zurück auf die Schriften Lacans, für den die unhintergehbare Spaltung der Subjekte eine sexuierte ist, sowie dessen feministische Weiterentwicklung in den Schriften Irigarays, die eine Sexuelle Differenz als notwendige Subjektivierung der Frau beschrieb in einer Gesellschaft in der es nur ein „‘vollgültiges ‘ (universal repräsentierbares) Geschlecht – das männliche – [gibt] und dazu etwas, das dessen Existenz ermöglicht: die Frau, die selbst nicht symbolisch repräsentiert werden kann.“ (ebd.)
„In Italien fand das Denken von Luce Irigaray in den 1970er und 1980er Jahren nachhaltig Widerhall und führte dort zu einer politischen Praxis, die bis heute lebendig ist.“ Insbesondere ihre Überlegungen, „dass das eingeschlechtliche Symbolische Frauen-Beziehungen erschwert oder sogar verunmöglicht. […] Zentrales Thema ihrer theoretischen Kritik und gelebten Praxis ist die in patriarchalen Gesellschaften unterbrochene weibliche Genealogie, also die vertikale Verbindung zwischen Frauen in der Generationenfolge.“ (ebd.)
„Neben der französischen und italienischen Denklinie gibt es noch andere feministische Bezugnahmen auf den Begriff der sexuellen Differenz. Diese setzen direkt bei Lacans sprachtheoretischer Konzeption von Geschlecht an und verbinden sie mit psychoanalytischer Gesellschaftskritik. Die Kernfrage kreist dabei um ein Verständnis dafür, wie Begehren, Sexualität und Intimität gesellschaftlich geformt sind – wobei die gesellschaftliche Formung deutlich anders aufgefasst wird als im gängigen Verständnis von ’sozialer Konstruktion.‘“ (ebd.)

Das Heft findet ihr unter
https://aep.at/2019-nr-2-braucht-der-feminismus-das-denken-der-sexuellen-differenz/

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Film Tipp
Dokumentarfilm Feministische Aktionen gegen Bevölkerungspolitik – Ein Rückblick in die 80er Jahre
(46 Minuten) von der Filmgruppe Frauengeschichte(n) im Film
Der Film enstand in den Jahren 2000-2003, Filmpremiere 2019 in der Störenfrida Berlin
Den Film bekommt ihr direkt bei den Filmemacherinnen. Kontakt über fewifilm@posteo.de

In den 1980er Jahren beschäftigten sich Frauengruppen in vielen Ländern mit dem Thema Bevölkerungspolitik. In der Dokumentation erzählen Aktivistinnen aus Deutschland von Debatten und Aktionen zum Thema Geburtenkontrolle. Sie berichten von der Entstehung humangenetischer Beratungsstellen, über Gen- und Reproduktionstechnologien und über die Selbstbestimmung von Frauen über ihre Körper sowie über feministische Kritik an Bevölkerungspolitik und Gentechnologie.